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Pressemeldung #1

 

 
Potsdam, 9.1.21, P. Rogge

 

300 Jahre katholische Gemeinde in Potsdam
König Friedrich Wilhelm I. gestattet 1722 Seelsorger für belgische Gewehrbauer und Soldaten

Mit einem umfangreichen Programm feiert die katholische Propsteigemeinde St. Peter und Paul in diesem Jahr ihr 300-jähriges Bestehen. Der offizielle Auftakt des Jubliäums ist am 9. Januar ein feierlicher Gottesdienst in der Kirche am Bassinplatz. Damit beginnt auch eine monatliche Predigtreihe, bei der der Religionswissenschaftler Professor Dr. Johann Ev. Hafner in Zusammenarbeit mit dem Historiker und Kunsthistoriker Dr. Thomas Fischbacher von der Universität Potsdam Gegenstände aus der Gründungszeit der Gemeinde wie Messgewand, Ewiglicht-Ampel oder Monstranz vorstellt und die barocken Kunstwerke in Bezug zur Gegenwart bringt.

„In diesem Jahr rücken Potsdam und St. Peter und Paul noch mehr in den Mittelpunkt unseres Erzbistums. Das 300-jährige Jubiläum der Rückkehr von katholischem Glaubensleben nach Brandenburg ist ein Grund zum Feiern. Ich freue mich, dass wir das gemeinsam mit Staat und Gesellschaft begehen können, vor allem aber versöhnt mit unseren evangelischen Schwestern und Brüdern," betont der Erzbischof von Berlin, Dr. Heiner Koch.

Als ein äußeres Zeichen des Gemeindejubiläums, das in die Brandenburger Straße hineinstrahlt, wird die Jahreszahl 1722 ab Mitte des Monats auf den Kirchturm von St. Peter und Paul projiziert. Dieses Projekt wird maßgeblich unterstützt von der Landeshauptstadt Potsdam sowie von Patrick Berger von der Buena Vida Coffee GmbH am Bassinplatz, der die Aufstellung des Projektors ermöglicht.

Die Illumination des Turms ist bis Ostern geplant, sie soll anschließend durch eine Open Air- Ausstellung am Zaun vor der Kirche abgelöst werden.

Höhepunkt des Jubiläumsjahres wird das Festwochenende vom 2. bis 4. September sein. Ministerpräsident Dietmar Woidke, Oberbürgermeister Mike Schubert und der belgische Botschafter Geert Muylle haben bereits ihr Kommen zugesagt. Den Festgottesdienst konzelebrieren der Erzbischof von Berlin, Dr. Heiner Koch, der Päpstliche Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, und der Bischof von Lüttich, Jean-Pierre Delville.

Aus Lüttich hatte König Friedrich Wilhelm I. ab 1722 Waffenhandwerker für die neue Gewehrfabrik mit den Standorten in Potsdam und Spandau angeworben. Die meist katholischen Facharbeiter wollten aber nur dann in das protestantische Preußen übersiedeln, wenn ihnen freie Religionsausübung garantiert würde, einschließlich eines Seelsorgers in ihrer Sprache und dessen Versorgung. Durch königliches Dekret wurde ihnen am 2. September 1722 all dies zugesichert. Damit entstand die erste zivilrechtlich anerkannte katholische Gemeinde im Königreich Preußen nach der Reformation.

Bereits einige Monate zuvor, am 17. Januar 1722, hatte Friedrich Wilhelm I. einen eigenen katholischen Priester für die Seelsorge bei seinen Soldaten eingestellt. „Diese Datum markiert somit die Wiederzulassung der katholischen Kirche in der Mark Brandenburg“, sagt Fischbacher. Für den Historiker hängt dies unmittelbar mit der Entwicklung Potsdams zusammen. „Der König hatte seit

1713 Soldaten nach Potsdam verlegt, die in Privathäusern untergebracht wurden. Von den anfangs 1000 bis 1500 Einwohnern, die rund 500 Soldaten zu beherbergen hatten, wuchs die Siedlung bis zum Tode des Königs 1740 auf etwa 11 000 Zivilisten und 4000 Militärs an, so Fischbacher. „Mit der Vergrößerung änderte sich auch die Sozialstruktur Potsdams. Viele Soldaten waren Ausländer und unter diesen befanden sich zahlreiche Katholiken. Für die Betreuung ihrer religiösen Bedürfnisse ließ der König zunächst Priester der kaiserlichen und französischen Gesandtschaften aus Berlin kommen, bis er ihnen endlich einen eigenen Seelsorger zugestand.“

Für die Waffenhandwerker aus Lüttich und die Soldaten ließ Friedrich Wilhelm I. 1723 die erste katholische Kirche auf dem Gelände der Gewehrfabrik errichten. Mehrfach erweitert, wurde sie 1738 der Jungfrau Maria und den Aposteln Peter und Paul geweiht. Der von August Stüler und Wilhelm Salzenberg errichtete Nachfolgerbau am Bassinplatz wurde 1870 geweiht.

Die Propsteigemeinde St. Peter und Paul, die im ökumenischen wie interreligiösen Kontext vernetzt ist, hat mehr als 7000 Mitglieder (Stand 31. Dezember 2021: 7.166 Mitglieder), zu ihr gehört seit 2003 auch die Gemeinde St. Maria Meeresstern in Werder. Mit St. Antonius in Babelsberg gibt es in Potsdam noch eine weitere katholische Gemeinde, die zusammen mit St. Peter und Paul sowie der Pfarrei St. Cäcilia Michendorf zum 1. Januar 2023 eine neue Pfarrgemeinde bildet.

Hinweis für die Redaktionen:

Große Teile des Festprogramms werden derzeit noch fixiert und terminiert. Möglich sind derzeit neben der aktuellen Berichterstattung unter anderem folgende Themen:

Die historische Entwicklung der Propsteigemeinde - Gespräch mit dem Historiker Dr. Thomas Fischbacher

Die Kunstschätze von St. Peter und Paul - Professor Dr. Johann Ev. Hafner/ Dr. Thomas Fischbacher Die Propsteigemeinde als Teil der Potsdamer Stadtgesellschaft - Gespräch mit Propst Dr. Arnd Franke

Anfragen bitte an Propst Dr. Arnd Franke, Tel.: (0331) 2 30 79 91 Peter Rogge, Tel.: (0331) 2 80 41 74

Weitere Informationen unter: www.potsdam1722.de